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Der sonderbare Herr Nippermann (2002)
Bevor ich ahnte, daß es den Roman Warum du mich verlassen hast überhaupt einmal geben würde, meldete sich im Sommer 2002 eine Geschichte, gewissermaßen ein Ausriß aus dem Internatsstoff zurück, den ich fast zwanzig Jahre zuvor zur Seite gelegt hatte.
Es handelte sich um zwei Episoden aus dem Leben des unglücklichen Nippermann, eines jungen Theologiestudenten, der auf dem Collegium als Hilfserzieher tätig ist und bei seinen Disziplinierungsmaßnahmen fürchterlich über die Stränge schlägt; der aus Sanftheit brutal wird, weil er die Ordnung, der er sich verschrieben hat, um jeden Preis verteidigen will. Wie ich auf die Entführungsgeschichte kam, weiß ich nicht mehr; meines Wissens hat es so etwas auf meinem Internat - dem echten - nie gegeben. Ich sah die beiden Episoden in jenem Sommer glasklar vor mir, während ich in einem Konzert alter spanischer Musik in der kleinen Kapelle des Escorial saß. Gleich neben mir an der Wand: Gemälde mit biblischen Szenen, in denen eimerweise Blut floß, die richtige Inspiration für Nippermanns kleinen Feldzug. Am selben Abend schrieb ich die Erzählung, und es war, als müßte ich sie nur abschreiben.
Es war die erste echte Erzählung, die ich in der FAZ veröffentlichte, und wie bei den beiden darauf folgenden Geschichten war ihre Länge durch das Format der Zeitung vorgegeben: rund dreizehn Typoskriptseiten oder 550 Zeitungszeilen. Verändert und stark erweitert ist die Erzählung "Der sonderbare Herr Nippermann" in meinen Roman eingegangen.
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